Ägypten

Ägypten

Samstag, 26. Juni 1999
- Sonntag, 31. Oktober 1999

Kunstmuseum Appenzell

Die AusstellungDie Ausstellung «Ägypten» im Museum Liner Appenzell hat ihren Ausgangspunkt im Umstand, dass Carl August Liner und Carl Walter Liner in den 30er Jahren Ägypten besuchten. In der Sammlung des Museums befindet sich eine Werkgruppe der beiden Maler, die im Niltal entstanden ist.

 

Nach der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun 1922 setzte eine neue Welle von Bildungsreisenden ein, die das Ursprungsland westlicher Zivilisation besuchten. Die Künstler Hermann Hubacher, Paul Klee, Rudolf Lehnert und die beiden Liner hielten sich in den 20er und 30er Jahren unabhängig voneinander und unterschiedlich lang in Ägypten auf. Die Ausstellung zeigt Werke, die während ihrer Reisen oder unmittelbar danach entstanden sind. Die Beiträge des Begleitheftes zur Ausstellung geben einen Einblick in die Entwicklung Ägyptens während der beiden Jahrzehnte, und sie beleuchten die Unternehmungen der einzelnen Künstler in Ägypten sowie ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe, der Landschaft und dem Alltagsleben. Den grundsätzlich verschiedenen Standpunkten und Interessen der fünf Künstler gibt die Schau in fünf eigenständigen Ausstellungssegmenten Raum.
 

Nach mehr als vierhundert Jahren Fremdherrschaft erlangte Ägypten 1922 formell die Unabhängigkeit. Das englische Protektorat wurde aufgehoben, und Ägypten wurde nominell ein souveräner Staat. Wirtschaftliche Emanzipation und Erstarkung eigener kultureller Werte waren die Folge - bis das Land in den Strudel der weltweiten Wirtschaftskrise gezogen und nach Ausbruch des 2. Weltkrieges Kriegsschauplatz fremder Mächte wurde.

Die Künstler
Der Bildhauer Hermann Hubacher (1885 Biel - 1976 Zürich) unternahm 1929/30 mit dem Winterthurer Unternehmer und Freund Georg Reinhart eine einmonatige Reise von Alexandria nilaufwärts bis nach Wadi-Halfa im damaligen Britischen Sudan. Der künstlerische Gewinn sind Statuetten und Köpfe, die er im Verlaufe des Jahres nach seiner Rückkehr geschaffen hat. Die Ausstellung zeigt sechs Kleinplastiken in Bronze und Terrakotta aus dem Jahre 1930.
 

Die Ägyptenreise um die Jahreswende 1928/29 führte Paul Klee (1879 Münchenbuchsee BE - 1940 Muralto TI) zum zweiten Mal nach Afrika. Das dichte Besuchsprogramm der 18 Tage zwischen Alexandria und Assuan gab ihm intensive künstlerische Anregungen. Aus den Eindrücken dieser Studienreise entwickelte er Bildthemen, die für sein Oeuvre von grosser Bedeutung sind. Ein bedeutender Teil der 30 Zeichnungen, die das Museum Liner Appenzell zeigen kann, ist im Jahre 1929 entstanden und wurde mit grosser Wahrscheinlichkeit in Ägypten angefertigt. Über die Hälfte der aus verschiedenen europäischen Sammlungen stammenden Leihgaben waren bisher nur selten zu sehen.
 

Der Fotograf Rudolf Lehnert (1878 Grossaupa, Böhmen - 1948 Redeyef, Tunesien) lebte von 1923 bis 1930 im Niltal und bemühte sich, ein fotografisches Gesamtpanorama von Ägypten zusammenzustellen. Er hielt mehr den Zauber denn den modernen Geist des Orients fest. Mit seinem Geschäftspartner Ernst Landrock gründete er in Kairo einen Verlag, der die Fotobilder in den Westen vertrieb. Für die Ausstellung im Museum Liner Appenzell wurden aus dem umfangreichen Nachlass, der sich heute im Musée de l‘Elysée in Lausanne befindet, über 60 Fotobilder ausgewählt. Die Fotos werden in der Schweiz zum ersten Mal ausgestellt.
 

Der Maler Carl August Liner (1871-1946) reiste 1934 auf Einladung des Unternehmers Ernst Schmidheiny nach Ägypten. Während der drei Monate in Tura südlich von Kairo und in Unterägypten entstanden Gemälde und eine grosse Anzahl von Zeichnungen, die von seinem Interesse für die Landschaft und den Menschen bei der Arbeit zeugen. In der Ausstellung werden fünf Gemälde, darunter ein Porträt von Ernst Schmidheiny, und über 40 Zeichnungen gezeigt.
 

Carl Walter Liner (1914-1997) konnte auf den Beziehungen seines Vaters aufbauen und hielt sich 1936/37 ein halbes Jahr in Ägypten auf. Resultat dieser fruchtbaren Schaffenszeit sind Pastellporträts und Ölbilder einer fremden und faszinierenden Welt. Der Aufenthalt liess im jungen Mann den Entschluss reifen, sich in Paris zum Künstler ausbilden zu lassen. Viele der rund 45 Zeichnungen, Pastelle und Gemälde, welche die Ausstellung vereint, stammen aus Privatbesitz.

Film
Im Zusammenhang mit der Ausstellung «Ägypten» wird im Projektionsraum des Museums Liner Appenzell täglich der Stummfilm «Afrikaflug» (1930) des Schweizer Flugpioniers Walter Mittelholzer gezeigt. Der Film dokumentiert die erste transkontinentale Wasserflugexpedition im Winter 1926/27 von Zürich über Ägypten nach Kapstadt.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch, 52 Seiten, 6 schwarz-weiss Abbildungen, CHF 5.00 Zum Shop

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