Jochen Stenschke - Susanne Windelen

Unter Oberlichtern

Samstag, 18. Januar 2003
- Sonntag, 16. März 2003

Kunstmuseum Appenzell

"Unter Oberlichtern", ein schillernder, vieldeutiger Titel der aktuellen Ausstellung. Nicht ohne Grund. Erstmals in der noch jungen Geschichte des Museum Liner werden die tradierten Grenzen überschritten. Werke zweier sehr unterschiedlicher Künstler werden in einen Dialog gebracht. Susanne Windelen, 1959 in Westfalen geboren, zeigt neben Skulpturen vor allem Installationen. Der gleichaltrige, im Ruhrgebiet geborene Jochen Stenschke präsentiert grossformatige Tafelbilder. Es treten also zwei Vertreter der beiden Grundkonstanten bildnerischen Schaffens gegen- und miteinander an: Die auf den Raum bezogene Bildhauerin und der im Zweidimensionalen denkende Maler und Zeichner.
 

Verbindende Klammern sind die schönen Räume des Museum Liner mit seinen Oberlichtern, die alle Arbeiten den gleichen Lichtbedingungen unterwerfen.. Es ist dieses immer wieder gefeierte Licht, das die genuinen Eigenschaften der individuellen Kunstwerke hervorhebt, wortwörtlich ans Licht bringt.
 

Jochen Stenschkes Werke stehen in der Tradition des Tafelbildes, einem Medium, das per se Spiegel der Reflexion ist. Wie auf der Benutzeroberfläche eines Computerbildschirms tauchen Bildzeichen auf. Abbreviaturen komplexer Vorgänge. Auf Spirituelles, Kosmisches wird angespielt. Immer wieder finden wir Fragmente menschlicher Körper, die für den ganzen Menschen stehen. Mit Vorliebe zitiert Stenschke Füsse und Gehirne, oben und unten gewissermassen. Stenschke hat eine ganzheitliche Vorstellung des Menschen. Er sieht ihn eingebettet in höheren Sinnzusammenhängen. Seine Bilder vermitteln etwas von den energetischen Strömungen im Weltall, deren Teil der Mensch ist. Bildträger ist dabei fast immer PVC-Folie, die die Spuren der Zeichnung wie hinter einem transpa-renten Vorhang nur erahnen lässt. Der Gebrauch intensiv-warmer Farben, ein strahlendes Rot etwa, oder ein leuchtendes Gelb führt die Werke dicht an den Betrachter heran. Die opake Folie hingegen hält ihn auf Distanz. Nähe und Ferne, reflektorische Kühle und emotionale Wärme oszillieren in Stenschkes eindrücklich stillen Vergegenwärtigungen moderner Archetypen.
 

Still und eindrücklich sind auch die Arbeiten von Susanne Windelen: Installationen, die aus wenigen Teilen zusammengesetzt sind. Der "Bau" der Werke ist denkbar einfach. Alles ist nachvollziehbar, einsehbar. Und bleibt doch poetisch, rätselhaft. Wo Stenschke Raum durch Überschneidung von Farbflächen suggeriert, greift Windelen direkt in ihn ein, operiert mit seinen Möglichkeiten. Die "direktere Realität", die plastische Arbeiten durch ihre Dreidimensionalität haben, enthauptet sie durch Verfremdungen. Handschuhe, Trichter, Gefässe bekommen allein durch veränderte Dimensionen, durch ungewohnte Materialien einen neuen Charakter, werden fremd.
 

Die Kommunikation der Werke beider Künstler miteinander geschieht in respektvoller Distanz. Jeder Künstler hat fünf Räume zur alleinigen Verfügung. Nur durch Blicke von Raum zu Raum sind Überleitungen möglich. Der Dialog soll nicht nivellieren, sondern die Verschiedenheit der Kunstsprachen respektieren. Eine Kunst, so viele Sprachen, um sie auszudrücken. Und alles unter Oberlichtern...

 

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft, 24 Seiten, 18 Abbildungen, CHF 5.00 Zum Shop

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