Nicola de Maria

Infinito regno dei fiori: Universo senza bombe

Sonntag, 06. April 2003
- Sonntag, 15. Juni 2003

Kunsthalle Ziegelhütte

Die Kunsthalle Ziegelhütte ist dem Werk von Carl Liner Vater und Sohn gewidmet. Sie dient der Pflege ihres Schaffens, vornehmlich aber auch – wie die Stiftertafel aussagt - der Auseinandersetzung mit der Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart sowie der klassischen und zeitgenössischen Musik.
 
Für die Eröffnungsausstellung in der Kunsthalle Ziegelhütte konnte der international renommierte italienische Künstler Nicola De Maria gewonnen werden. Auf zwei Stockwerken des Neubautrakts werden 2 wandfüllende Leinwände, eine Auswahl gross- und kleinformatiger Gemälde sowie eine umfangreiche Reihe von Zeichnungen gleichen Formats in einheitlicher Rahmung gezeigt. Mit den insgesamt 12 Gemälden und der Zeichnungsserie, die der gesamten Ausstellung auch den Titel verleiht, werden die neu geschaffenen Galerieräume des hohen Ergeschosses und des 1. Obergeschosses erstmals mit Riesenformaten und empfindlichen Papierarbeiten auf ihre innewohnenden Möglichkeiten hin erprobt.
 
Seit den Zeiten der in Italien verkündeten “Transavanguardia”, die Ende der 70er und anfangs der 80er Jahre einmal mehr von der “Rückkehr” der Malerei sprach, gilt Nicola De Maria zu Recht als “Poet unter den Malern” und “Maler unter den Poeten”; ein 1999 entstandes, für die publizistische Arbeitsweise Nicola De Marias typisches Katalogbuch, trägt gar den Titel “Gemalte Poesie”.

Erdgeschoss: Nicola De Maria
In seinen Öl- und Acrybildern, an denen der Künstler oft nach Jahren wiederum weiterarbeitet, beschäftigt er sich vor allem mit den Themen der “Landschaft” und des “Kopfs”, - oft bis zur geometrischen Flächenkomposition abstrahiert - , die er als prospektive Setzungen und Utopien, als gemalte Poesie und poetische Malerei und somit als Momente einer universellen Harmonie gegen das Zerstörerische unserer Zivilisation richtet: “Universum ohne Bomben” lautet der zweite Teil des von ihm erfundenen Diktums zum “Unendlichen Reich der Blumen”, das er seit Jahren zur Bezeichnung eines umfassenden Werkzyklus‘ verwendet und das nur scheinbar von aktueller Brisanz ist durch die gegenwärtigen globalpolitischen Geschehnisse.
 
Obwohl das Dutzend Gemälde und die insgesamt 33 augestellten Arbeiten auf Papier Etappen der künstlerischen Produktion von 1978–2003, das heisst einer ganzen Generation aufscheinen lassen, erhebt die Präsentation seiner Werke keinerlei retrospektiven Anspruch. Nicola De Maria begreift seine Werke in dem Sinn als zeitlos, als sie ihm wie Teile eines fortwährenden malerischen Spektrums, als nie versiegende Töne eines “universellen Klangs” erscheinen (den das oftmals auf dem Bildrücken notierte “A” symbolisiert), die Gegensätzliches im Übergang zu versöhnen trachten. Mit Blick sowohl in die Vergangenheit wie in die Zukunft verbindet er in seinen “Landschaften” den horizontalen Farbfluss mit vertikalen Zäsuren, den Tag mit der Nacht, die “Ekstase” mit dem “Frieden”, wie es etwa der Titel eines “Landschafts-Kopfes” von 1998/99 suggeriert: TESTA PAESAGGIO. ESTASI e PACE. Die Leinwände können als fliessende Partituren gelesen werden, wie MARE von 1991, sie erscheinen als grossflächige Farbfeldkonstruktionen, wie TESTA DELL‘ ARTISTA COSMICO, 1985, oder sie verdicken sich zu eigentlichen Farbkörpern, deren Körperlichkeit durch die dem Publikum verborgene Bemalung der Rückseiten noch betont wird.

1. Obergeschoss: Nicola De Maria
Die bislang 30-teilige und hier erstmals vorgestellte Reihe der Zeichnungen INFINITO REGNO DEI FIORI: UNIVERSO SENZA BOMBE geht in ihrem Kern auf Landschaftsskizzen, oder treffender noch: auf malerisch notierte Freilichtimpressionen zurück, wie sie seit 1999 in der Umgebung des heimatlichen Foglianise in der Campania entstanden sind. Nicola De Maria nahm dabei einen bestimmten Standort im Freien ein und drehte sich beim Skizzieren mehr oder weniger um die eigene Achse, mit seinem Auge gleichsam die natürliche Umgebung in stufenloser Fern- und Nahsicht fokussierend: die Erde, den Himmel, die Steine, die Vegetation, die - je nach Jahreszeit und Wetterlage - unterschiedliche Volumina und Farbtöne und damit verschiedene Stimmungsgehalte annahmen. Vor dem inneren Auge des Betrachters summiert, liesse sich daraus eine panoramatische Ansicht der den Künstler umgebenden Natur rekonstruieren. Im grossstädtischen Turiner Atelier wurden die querrechteckigen Kleinformate aus den Skizzenblöcken gelöst, auf hochformatige Blätter von rund 76 x 56 cm montiert und in der verbleibenden “Rahmung” mit Bleistift, Aquarell, Gouache und Ölfarbe derart umspielt und kommentiert, dass sie wie zur Bildtiefe hin sich öffnende Fenster erscheinen. Im Unterschied zur ungetrübten Schönheit und Brillanz der farbig kontrastierenden Gemälde im Erdgeschoss sowie der drei 1998/99 entstandenen, mit reinem Blau, Rot, und Gelb arbeitenden Blätter an der Eingangswand im 1. Obergeschoss, scheinen die Werke des “Unendliches Reiches der Blumen” mit ihren erdigen, gebrochenen Tönen und dem teils flüchtigen Farbauftrag auch von Sehnsucht und Melancholie zu künden. Das Bildfenster wird hier zum Seelenfenster, zur Öffnung ins Bewusstsein des Künstlers und zum Unbewussten hin, das sich etwa in einem an die “écriture automatique” erinnernden nervösen Lineament offenbart. Jedes Blatt weist einen eigenen poetischen Titel auf, der für Nicola De Marias Assoziationen vor dem vollendeten Werk steht.
 
Ein vom lastenden Nachtblau bestimmtes Gemälde von 1984, NOTTE DEL NUOVO DISEGNO. REGNO DEI FIORI (Nacht der neuen Zeichnung. Reich der Blumen) aus der Sammlung des Museums Liner, erscheint im Rahmen der Ausstellung – und auch von seinem Titel her gesehen – sowohl als Ausgangs- wie als Angelpunkt der späteren Zeichnungen, die erlebte Naturerscheinungen in Farben und Formen verdichten.
 
Für die Ausstellung wurden uns freundlicherweise Leihgaben aus dem Besitz des Künstlers, aus Privatbesitz sowie von den Galerien Cardi Milano, Lelong Paris und Zürich sowie Iris Wazzau, Davos, zur Verfügung gestellt. Zur Ausstellung wird ein Künstlerbuch erscheinen, das nebst Installationsaufnahmen die Zeichnungen zu INFINITO REGNO DEI FIORI: UNIVERSO SENZA BOMBE sowie einen Essay des italienischen Kunstkritikers Zeno Birolli enthält. In der Kunsthalle sind eine Anzahl noch lieferbarer Publikationen Nicola De Marias sowie das speziell für die Ausstellung geschaffene Plakat erhältlich.

2. Obergeschoss: Carl Walter Liner (1914 – 1997)
Im obersten Stock des Neubaus werden anlässlich der Eröffnung der Kunsthalle Ziegelhütte Arbeiten auf Papier von Carl Walter Liner, sogenannte Abstraktionen aus den Jahren 1949 bis 1971 gezeigt, darunter auch die “Jahreszeiten” von 1949. Die Werke stammen aus der Sammlung des Museums Liner sowie aus Privatbesitz.


Altbau / Bühnenplattform: Carl August Liner (1871 – 1946)
An den von der Bühnenplattform aus gut sichtbaren tragenden Betonwänden des Obergeschosses werden grossformatige Gemälde von Carl August Liner präsentiert, die wir für die Eröffnung als Leihgaben erhalten haben: “Blick ins Tal, Schellenschütteln auf der Alp Siegel”, 1904 (Schulgemeinde Appenzell), und “Die Milch”, 1917 (Museum Appenzell/ Dauerleihgabe des Kunsthauses Zürich). Das auf der Rückwand der Bühnenplattform platzierte Original des durch zahlreiche Reproduktionen bekannten Bildes “Wasser”, 1905 (Privatbesitz), rundet die knappe Werkschau zum frühen Carl Liner Vater ab.

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