Die obere Hälfte

Die Büste von Rodin bis Wang Du

Sonntag, 29. Januar 2006
- Sonntag, 23. April 2006

Kunstmuseum Appenzell

Mit rund 80 Werken von 50 unterschiedlichen Künstlern beleuchtet die umfangreiche Ausstellung erstmals das breite formale und inhaltliche Spektrum der Büste in der modernen Kunst.
 

Traditionell bezeichnet die Büste eine plastische Darstellung des Menschen in ihrer Reduktion auf Kopf und Oberkörper und daher immer ein Körperfragment. Als bildnishafte Vergegenwärtigung bildet sie einen Typus innerhalb der Gattung des Porträts. Von der römischen Antike bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren Büsten zumeist idealisierende Repräsentationsbilder mit politischen oder religiösen Funktionen, die häufig als dekorative Elemente in architektonische Zusammenhänge eingebunden wurden. Das änderte sich um 1880, als Auguste Rodin begann, den bislang gültigen strengen Kanon aufzubrechen und dem Typus durch psychologisches Interesse und durch ausdrucksstarken Habitus neue Perspektiven eröffnete. Seither bestimmen künstlerische Neugierde am formalen Experiment, Abstraktion, Verfremdung und die Reflexion der bildnerischen Mittel die Büstendarstellungen.
 
Unsere Ausstellung zeigt die faszinierende Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten der Büste von der klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst mit ihren Vorläufern im 19. Jahrhundert. Hyperrealistische Abbilder werden ebenso präsentiert wie einfühlsame psychologisierende Porträts, surreale Kompositionen wechseln ab mit multimedialen Installationen und historischen Zitaten. Für ihre Büsten nutzen die Künstler unterschiedlichste Werkstoffe. Nach wie vor werden Stein, Holz oder Bronze eingesetzt. In der Vergangenheit sollte das dauerhafte Material den Anspruch des Kunstwerks auf Allgemeingültigkeit und Zeitlosigkeit untermauern. In der Gegenwart wird dieser Aspekt durch Bemalung, formale Umdeutung und den Einsatz moderner Kunststoffe, wie Polyester und Silikon, oder vergänglicher und verderblicher Materialien, wie gefrorenes Wasser, Schokolade und sogar Tierkadaver konterkariert. Ungeachtet der stilistischen und inhaltlichen Unterschiede haben die ausgestellten Werke jedoch eines gemeinsam: Sie beschäftigen sich alle mit der jahrhundertealten Geschichte der Büste, die sie entweder kritisch befragen oder fantasievoll fortschreiben.
 

Neben Plastiken der Jahrhundertwende und der Klassischen Moderne von Medardo Rosso, Henri Laurens, Alexander Archipenko oder Henry Moore wird ein besonderer Akzent auf eine Reihe von Arbeiten Auguste Rodins sowie die Entwicklung der Büste bei Alberto Giacometti gesetzt. Zeitgenössische Büsten finden sich von Markus Lüpertz, A.R. Penck, Stephan Balkenhol, Rosemarie Trockel, Wim Delvoye oder Paul McCarthy sowie von einer Vielzahl aussereuropäischer Künstler wie Adolfo Riestra, Katsura Funakoshi, Ah Xian, Wang Fu oder Wang Du.

Ausstellung
Tickets
Wang Fu
Dreamer
Polyester mit Glasfaser; Katsura Funakoshi, *1951
Blue Arm
Kampferholz, farbig gefasst und Marmor