Claudia Desgranges

Update

Sonntag, 31. August 2014
- Sonntag, 14. Dezember 2014

Kunsthalle Ziegelhütte

Die Kunsthalle Ziegelhütte zeigt in Zusammenarbeit mit dem LVR Landesmuseum Bonn und dem Stadtmuseum Beckum die Ausstellung Claudia Desgranges – update.

Presseinformationen


Claudia Desgranges (*1953 in Frankfurt am Main) führt die Reihe der Ausstellungen zum Thema Farbmalerei fort, die seit 1998 einen der Schwerpunkte der Ausstellungen der Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell bildet. Mit dem Künstler Carl Walter Liner (1914-1997) vertritt die Stiftung einen der bedeutendsten informellen Künstler der Schweiz, der ab 1954 zu den Protagonisten einer autonomen Farbmalerei gehörte. In der Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell wird darüber hinaus seit 2003 die Präsentation installativer, raumbezogener Arbeiten gepflegt.


Deswegen lag es nahe, mit der Künstlerin Claudia Desgranges ein Projekt zu erarbeiten, das zwei der programmatischen Kernpunkte der Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell mit- und ineinander verzahnt: Farbe als Phänomen von Raum und Zeit. Claudia Desgranges geht mit ihrer Malerei stets an die Grenzen installativer Veränderung von Architekturen und Räumen. Ihre Bildfindungen entwickeln sich in ungewöhnlicher Materialität als Prozesse von Malerei – fast wie in filmische Sequenzen – die immer auch vor allen Dingen den Raum im Blick haben und die Veränderung des Umfeldes der Malerei schlechthin.


Farbe war in der Kunst bis weit in das 19. Jahrhundert Kolorit, Lokalfarbe, vielleicht noch Lichtfarbe – aber im Grunde wurde sie funktionell verwendet, hatte eine Aufgabe in einem letztendlich zeichnerisch definierten Bildgefüge. Claudia Desgranges ist allerdings bereits in einem Umfeld „aufgewachsen“, in dem die Farbe als eigentliches Thema – nicht Motiv – der Kunst kaum mehr in Frage gestellt wurde. Unter Berufung auf Entwicklungen der avantgardistischen Malerei seit 1913 hat sich seit den 1970er Jahren eine Malerei der Farbe entwickelt, die mal „Radikale Malerei“ mal „Essentielle Malerei“, mal eben einfach „Farbmalerei“ genannt wird. Köln, einer der Lebensorte von Desgranges, kann als einer der „Stützpunkte“ dieser Malrichtung bezeichnet werden – mit dem wohl, zumindest in Teilen seines Werks, bekanntesten Vertreter einer sich absolut setzenden Farbmalerei, Gerhard Richter.


Desgranges hat seit Mitte der 1980er Jahre in aufeinanderfolgenden Werkreihen eine Malerei erschaffen, welche die Möglichkeiten des Mediums auf eigenständige und trotz aller scheinbaren Objektivität sehr subjektive Art und Weise auslotet. Ebenso wie andere „Farbmaler“ thematisiert sie in ihrer Arbeit die primären und eigenwertigen Grundlagen jeder Malerei – eben wie Fläche, Struktur, Textur, Bildträger, Form des Farbauftrags und Farbe, aber relativ früh wird „Zeit“ als bildbestimmender Faktor in den Werken selbst aufgehoben, zum Bildgegenstand – nicht nur im Machen des Bildes, sondern auch – ganz bewusst von der Künstlerin verlagert – auch im Prozess der Bildwahrnehmung.


Desgranges erschafft farbige „Wahrnehmungsfelder“ und in ihren architekturbezogenen Arbeiten gar „Wahrnehmungsräume“. Sie choreographiert die Farberscheinungen, erzählt – ohne je anekdotisch zu werden – die Geschichte der Farbbewegungen, des Farbrhythmus, der Farbpausen, der Farbdauer, der Intensitäten des Erscheinens und Verschwindens. Das ist gespiegelte Lebenszeit, das ist vergegenwärtigte Natur, ohne Blumenbild zu werden, das ist ein autonomes Bild, ohne im angeblichen „Meisterwerk“ zu erstarren, das ist ein Selbstbildnis, in dem die Künstlerin mit ihrem Körper, ihrem Atem, ihren Bewegungen usw. anwesend ist, ohne sich selbst oder andere Menschen zu ikonisieren.


Die Kontinuität des „Farbbewussteins“ der Künstlerin wird in der Ausstellung vor allem mit einer jüngeren Werkreihe,den so genannten „combine paintings“, aber auch mit den seit 1993 gefertigten „Farbtagebüchern“ vorgestellt.


Zur Ausstellung ist im Verlag Kettler/Dortmund die Begleitpublikation Claudia Desgranges – update erschienen, Interview von Alexandra Käss mit Desgranges, Text von Roland Scotti, 80 S., 51 Farbabb.; Museumspreis: CHF 34.-
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