Carl August Liner

Carl August Liner, ein akademisch ausgebildeter Künstler, wendete sich nach seinem Studium von der offiziellen Salon-, Veduten- und Historienmalerei ab. Ab 1906 malte er im Anschluss an den französischen Naturalismus bäuerlich geprägte Landschaften und realistische Porträts der Appenzeller Bevölkerung. Er gehört zu den bedeutenden Schweizer Vertretern des Schweizer Spätimpressionismus.
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1871
Carl August Liner wird am 8. Juni in St. Gallen-Tablat als Kind des Zimmermeisters Josef Anton Liner und Johanna Carolina Blatter geboren.

1890
Liner schliesst die Technische Abteilung der Kantonsschule mit der Matura ab.

1890 bis 1893
Studium an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München. Besonders prägend für Liners künstlerische Entwicklung ist Paul Höcker (1854 – 1910), der seine Studenten zur Freilichtmalerei anregt und mit ihnen regelmässig am Ammersee arbeitet. Liners Interesse für Licht und Farbe zeigt sich nicht nur in Landschaften, sondern auch in den Porträts dieser Jahre.

1894
Liner kehrt nach St. Gallen zurück. Er verdient seinen Lebensunterhalt mit Illustrationsaufträgen und als Zeichenlehrer bei begüterten St. Galler Familien. Die heimatliche Landschaft schildert er mit dem Blick des Pleinairmalers.

1897/98
Aufenthalt in Rom, wo Liner die Museen besucht und Kurse an der Italienischen Akademie und der Académie de France belegt. In Terracina am Golf von Gaeta und in Neapel entstehen Aquarelle von jungen Frauen in ihren Trachten, sowie Zeichnungen der südlichen Landschaft.

1899
Liner erhält ein Stipendium zu Studienzwecken, das erstmals aus dem Eidgenössischen Kunstkredit vergeben wird. Es ermöglicht ihm einen Aufenthalt in Paris.

1900
Zweiter Aufenthalt in Paris, um im Auftrag des Benziger-Verlages Berichte über die Weltausstellung zu illustrieren. Im Herbst desselben Jahres kehrt er nach München zurück, wo er in Schwabing eine Atelierwohnung mietet, in der er bis 1907 die Wintermonate verbringt.

1901
Verzicht auf die angebotene Professur an der Kunstakademie Düsseldorf.

1902
Heirat mit der St. Galler Kaufmannstochter Cécile Bernet.

1906
Liner erwirbt das Bauerngut „Landhaus“ im Unterrain bei Appenzell und bewirtschaftet es bis 1930. Die Existenz seiner Familie sichert er hauptsächlich mit den Erträgen aus der Landwirtschaft, aber auch mit gebrauchsgraphischen Arbeiten.

1912/13
Liner führt als einzigen öffentlichen Auftrag das Wandbild im Chor der evangelischen Kirche Heiligkreuz in St. Gallen-Tablat aus.

1913
Liner gründet die sanktgallische Sektion der GSMBA (Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten). Von 1928 bis 1931 ist er Zentralpräsident der Organisation.

1920er Jahre
Der St. Galler Textilindustrielle und Kunstsammler Eduard Sturzenegger (1854 – 1932) zieht Liner als künstlerischen Berater bei. In dessen Auftrag reist er nach München, Berlin und Paris, besucht Museen und Galerien und hat Qualität und Preise möglicher Ankäufe zu beurteilen.

1934
Liner reist für drei Monate nach Ägypten, um für die dort tätigen Schweizer Unternehmer Ernst Schmidheiny (1871 – 1935) und Alfred Reinhart (1873 – 1935) Porträts auszuführen. Zwei Themen beschäftigen Liner zeit seines Lebens: die Landschaft, die er mit spontaner, bisweilen abstrahierender Pinselschrift in zahlreichen, oft kleinformatigen Gemälden festhält, und die Fronleichnamsprozession.

1937
Liner entwirft im Auftrag der Trachtenvereinigung Appenzell Innerrhoden, die am 17. Juni 1932 gegründet wurde, eine neue Werktagstracht.

1946
Nach einer langen Krankheit stirbt Carl August Liner am 20. März im Spital von Appenzell.

Carl Walter Liner

Carl Walter Liner ist einer der wichtigsten Schweizer Vertreter der koloristischen Tradition in der Kunstgeschichte. Sowohl in den expressiven Landschaften oder Figurenbildern wie auch in den lyrisch-gestischen oder geometrischen Abstraktionen hat Carl Walter Liner eine vitalistische Farbsprache entwickelt, die einzigartig ist.
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1914
Carl Walter Liner wird am 17. August in St. Gallen als viertes Kind von Cécile Liner-Bernet und Carl August Liner geboren. Er wächst im elterlichen „Landhaus“, einem umgebauten Appenzeller Bauernhaus, in Appenzell Innerrhoden auf.

1929

Besuch der Wirtschaftsschule in Lausanne.

1930

Graphikerlehre in einer graphischen Anstalt in Aarau; dann privater Unterricht beim Vater Carl August Liner.

1933

Der Mal- und Zeichenunterricht bei seinem Vater Carl August mündet in erste naturalistische Bilder – teilweise gemalt in einem gemässigten impressionistischen Stil. Daneben führen Vater und Sohn Liner im freien Auftragsverhältnis gebrauchsgraphische Arbeiten wie Plakate und Illustrationen aus.

1934

Rekrutenschule. Carl Walter Liner arbeitet im Atelier seines Vaters in Appenzell.

1936

Liner reist über Italien und Griechenland für ein halbes Jahr nach Ägypten. Er hält sich hauptsächlich südlich von Kairo in der Gegend um Tourah auf.

1937

Auf der Rückreise macht Liner für einige Wochen in Rom und Florenz Halt. Noch im gleichen Jahr reist er erstmals nach Paris.

1938

Auf Rat von Cuno Amiet studiert er in Paris bei Othon Friesz (1879 – 1949) an der privaten Académie de la Grande Chaumière. Dort lernt er Georges Braque und Maurice de Vlaminck kennen.

1939

Bei Kriegsbeginn verlässt Liner Paris. Aktivdienst in der Schweiz. Wohnort ist in Zürich. Während der Kriegsjahre lernt er Katharina Rüf kennen, die er 1944 heiratet. Im gleichen Jahr Teilnahme an der Landesausstellung in Zürich.

1946 bis 1948
Von Zürich aus, wo er mit seiner Frau, die dort arbeitet, lebt, geht Liner  erneut nach Paris und wohnt im von Le Corbusier erbauten Pavillon der Fondation Suisse der Cité Universitaire im 14. Arrondissement. Die Verwendung ungebrochener Farben und ein pastoser Farbauftrag zeugen von seiner Auseinandersetzung mit dem Fauvismus. Die Jahre nach 1946 bis Mitte der 1950er Jahre sind für die künstlerische Entwicklung Liners entscheidend. Es ist eine Periode des Experimentierens mit verschiedenen Bildsprachen.

1946
Der Vater Carl August Liner stirbt. Carl Walter Liner reist immer wieder nach Paris.

1947
Die Mutter Cécile Liner stirbt.

1948/1949
Liner unternimmt ausgedehnte Reisen nach Algerien, Korsika und Spanien. 1949 besucht er in Korsika Calvi und Ajaccio. Die Spanienreise führt ihn auch auf die Inseln Ibiza und Mallorca.

1949
Erste nicht-gegenständliche Werke. Liner findet Anschluss an den Tachismus, der sich in Paris als neue künstlerische Ausdrucksform etabliert. Teilnahme an der Ausstellung Junge Zürcher Künstler im Kunsthaus Zürich.

1951
Liner lebt mit seiner Frau abwechselnd in Paris, Zürich und Appenzell. In Paris pflegt er Kontakt mit den Schweizern Adolf Herbst, Wilfrid Moser und Gérard Schneider, dem

Carl August Liner im Atelier, um 1907
Carl August Liner, Holzer mit Schlitten, um 1925
Carl August Liner, Carl Walter Liner an der Staffelei, 1932
Carl August Liner, Handorgelspieler, 1935
Carl August Liner, Mädchen in Rot, um 1891
Carl August Liner, Winterlandschaft, um 1934
Carl Walter Liner im Atelier, 1957
Carl Walter Liner im Atelier, um 1969
Carl Walter Liner, Ständige Präsentation Gemälde 1939-1972; Kunsthalle Ziegelhütte
Carl Walter Liner, Komposition, 1960
Carl Walter Liner, Brücke über die Seine, 1947
Carl Walter Liner, Komposition Blau | Schwarz | Ocker, um 1958