R.A.W.-KÜNSTLERINNEN-GESPRÄCHE

mit Martina Morger

Donnerstag, 09. Juni 2022

19.30 Uhr-
Kunstmuseum Appenzell

herzlich willkommen zum Gespräch zwischen Martina Morger und Roland Scotti - Türöffnung ab 19 Uhr - es gilt der ermässigte Eintritt von CHF 10.00

 

Martina Morger öffnet eine Zeitkapsel – ein Loch vor dem Kunstmuseum, aus dem Fundstücke in einen Ausstellungsraum gebracht werden. Die Ausgrabungsstätte, die an Baulöcher erinnert, in denen zufällig archäologisch bedeutungsvolle Dinge erschienen, betont die Funktion eines Museums als Archiv, als Bewahrer der Kulturen. Insofern sind Museumsbesuche immer auch Zeitreisen, unabhängig davon, ob es Häuser für historische Epochen oder zeitgenössische Kunst sind: Artefakte bilden immer Gegenwart, besser gesagt, sie existieren gleichzeitig an verschiedenen Zeitpunkten.

Das Hier und Woanders, die An- und die Abwesenheit erzeugen den Grundton der Intervention von Martina Morger. Der Weg, den die Künstlerin mit ihrer Performance am Eröffnungstag – eben der Transport der Funde vom Aussenraum zum Innenraum – zurücklegte, markiert den Übergang von der Bedeutungslosigkeit der Dinge zur Interpretation, die diesen erst historische oder kulturelle Signifikanz verleiht. Erst dann entsteht die gesellschaftliche Bereitschaft, «dafür Sorge zu tragen».

Die von Morger fabrizierten Ausgrabungsobjekte, Verdichtungen technischer und natürlicher Formen, denen man im Ausstellungsrundgang begegnet, sind grundsätzlich Nichts – und doch Viel, da bereits angereichert durch eine spezifische Erwartungshaltung, die jede Person zu einem Museumsbesuch mitbringt – und sei es nur in der immer wieder gehörten Frage manifestiert: «Was soll das bedeuten?».

Der Resonanzraum, eben das Museum, ist ein «Anders-Raum», in der Sprache des Philosophen Michel Foucault eine «Heterotopie». An diesem Zwischenort, der per se «heterochronisch» ist, überlagern und verändern sich Normen, Konventionen, Rituale – allein, weil jenes aufeinandertrifft, welches scheinbar nichts gemein hat, in unendlichen Kombinationen, in immer neu erzeugten Semantiken.

Event, Kunstvermittlung
Tickets
Martina Morger, Fossilien – Layers of Intimacy, 2022, Ausstellungsansicht, Foto: Urs Baumann