R.A.W.-KÜNSTLERINNEN-GESPRÄCHE

mit Roswitha Gobbo

Donnerstag, 30. Juni 2022

19.30 Uhr-
Kunstmuseum Appenzell

herzlich willkommen zum Gespräch zwischen Roswitha Gobbo und Roland Scotti - Türöffnung ab 19 Uhr - es gilt der ermässigte Eintritt von CHF 10.00.

Roswitha Gobbos Intervention im Kunstmuseum bündelt Wahrnehmung. Im ersten Augenschein hat die Künstlerin einen Leerraum, einen «Raum der Stille», eine fast klösterliche Zelle erschaffen. Denn ausser einer hölzernen, sehr einfach konstruierten Holzbank ist erst einmal nichts zu sehen (wenn wir die Durchblicke zu den anderen Räumen ausblenden). Die «Spezialistin im Nicht-Zeigen» bietet eine Sehpause, verweist aber keineswegs auf das romantisch Unsichtbare, sondern auf die biophysikalische Präsenz: Jede Person, die auf das Angebot eingeht, auf der Bank Platz zu nehmen, hört, riecht, fühlt und spürt – mal für längere Zeit, mal nur für einen Augenblick. Alle Sinne reagieren; hinzu kommt die Wahrnehmung des Eigenen, des Ich. Damit unterläuft die Arbeit die Normen beziehungsweise Erwartungshaltungen, die üblicherweise mit einem Ausstellungsbesuch verbunden sind. Im Rundgang durch die zehn Kabinette werden die Besuchenden an einem konkreten Ort relativ unvermittelt zum Ausstellungsobjekt, besser: sie werden zu einer Entität, in der Wahrnehmung und wahrnehmende Person, Aussen- und Innensicht eins werden. Einfacher gesagt: wenn man nicht durch diesen Raum eilt, weil es eben wenig zu sehen gibt, nimmt man all jene Phänomene innerhalb des Museums wahr, die ansonsten eher ignoriert werden: das Summen der Klimaanlage, das Knacken der Aussenfassade, die Bewegung der Luft, die Veränderungen des Tageslichtes, das changierende Weiss der Ausstellungswände und vieles mehr – bis hin zum eigenen Pulsschlag. Marcel Duchamps rezeptionsästhetisches Bonmot «c’est le regardeur qui fait le tableau» wird von Gobbo wesentlich erweitert; ihr Werk «Der Kaiser ist nackt» existiert ausschliesslich, wenn ein Mensch die eigene Wahrnehmung als das eigentliche Kunstereignis und -erlebnis respektiert.

 

 

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Der Kaiser ist nackt, 2022, Raum, Geräusche