R.A.W.-KÜNSTLERINNEN-GESPRÄCHE

mit Valérie Favre

Donnerstag, 25. August 2022

19.30 Uhr-
Kunstmuseum Appenzell

herzlich willkommen zum Gespräch zwischen Valérie Favre und Roland Scotti - Türöffnung ab 19 Uhr - es gilt der ermässigte Eintritt von CHF 10.00

Valérie Favres Werkreihe «Bateau des poètes/ poétesses» zeigt das Universum – so, wie es sein sollte oder könnte: als Raum der Ideen, nicht als jenen einer göttlichen Schöpfung oder als jenen, weit banaler, der als Ausbeutungsressource für Mineralien dient. Winzige Boote schaukeln auf einem kosmischen Meer, über dem die leuchtenden Planeten, Sterne oder Hirngespinste tanzen: allesamt in Farbe aufgehobene Verdichtungen von Erlebnissen, Erinnerungen, Imaginationen sein können: eben in Malerei aufgehobene Emanationen des menschlichen Gedächtnisses.

Dantes Barke fährt auf dem Fluss Styx durch die Hölle. Die Nachen hingegen, in denen Favre selbstgemordete, gescheiterte, unverstandene – also eher tragische – Figuren der Kultur- und Geistesgeschichte platziert, treiben in der Kunst, in der Geschichte der Kunst und jener der Poesie. Dies ist der Ort, an dem die Geistesarbeiterinnen, ihre Werke und ihre Vorstellungen, ihre dramatische Existenz weitergetragen werden, gar erst überleben.

Wobei der eigentliche Erinnerungsraum an das kulturelle Schaffen eher dann entsteht, wenn die Betrachter und Betrachterinnen in die Bilder eintauchen, sich mit ins Boot setzen, Teil des poetischen Prozesses werden. In der Folge des produktiven Dialogs zwischen Werk und Anschauung können Geschichten erzählt werden, welche die Eindimensionalität akademischen Wissens und naiver Bewunderung hinter sich lassen und – im besten Fall – ein neues, ein unverbrauchtes Narrativ zur Geistesgeschichte erzeugen: eben jenes, in dem Inge Müller, Unica Zürn, Albert Einstein oder Rosa Luxemburg und Boris Ryzhy zwar ambivalente, aber anerkannte Protagonist:innen eines «Stammbaums der Zivilisation» wären.

Event, Kunstvermittlung
Tickets
Ausschnitt aus...Valérie Favre, Bateau des poètes (Diane Arbus, Boris Ryzhy, Unica Zürn, Mark Rothko), 2020/ 2021, Tempera, Pastell und Collage (Linolschnitt) auf Leinwand, 250 x 195 cm, Courtesy Valérie Favre und Galerie Peter Kilchmann, Zürich, Photo: Uwe Walter, Berlin; ProLitteris/Zürich